Der IQ-Test

DGhK-Kurs Mikroskopieren: zwei junge Forscher am MikroskopNur ein Test kann definitive Gewissheit schaffen, ob ein Kind tatsächlich eine sehr hohe intellektuelle Begabung hat oder nicht, und trotzdem ist ein Test in sehr vielen Fällen gar nicht nötig.

Denn einerseits können auch überdurchschnittlich begabte, aber nicht hochbegabte Kinder unter Unterforderung leiden, andererseits gibt es auch hochbegabte Kinder, die ohne besondere Förderungsmaßnahmen sehr gut durch die Schule und die Kindheit kommen. Tests empfehlen sich also vor allem dann, wenn ihr Ergebnis für Förderungen oder Förderstrategien eine Entscheidungshilfe sein kann, z.B.:

  • wenn die Schule oder der Kindergarten nicht an eine hohe Begabung glaubt und vor der Zustimmung zu Extraförderungen oder einem Klassensprung einen „schriftlichen Beweis“ für die hohe Begabung verlangt, oder
  • wenn Eltern sehr unsicher sind, ob sie ein kluges Kind vorzeitig einschulen lassen oder nicht
  • wenn geprüft werden soll, ob ein Verweigerungsverhalten z.B. in der Schule auch auf Unterforderung zurückgeführt werden könnte

usw.

„Den“ IQ-Test gibt es sowieso nicht, vielmehr existieren eine Vielzahl verschiedener Testverfahren. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie aus mehreren Untertests bestehen, die jeweils verschiedene Aspekte der Intelligenz messen sollen (z.B. räumliches Vorstellungsvermögen, verbales Verständnis, etc.), und dass sie nur von kompetenten, dafür ausgebildeten Psychologen valide durchgeführt werden können. Von Hochbegabung spricht man erst dann, wenn alle Untertests zusammen einen durchschnittlichen Wert von 130 oder mehr ergeben.

Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst. Konkret: Eine ganze Reihe von Faktoren werden durch Intelligenztests überhaupt nicht erfasst, z.B. das kreative Potential eines Menschen. Umgekehrt kann ein IQ-Test nicht vorhersagen, ob ein Mensch Spitzenleistungen erbringen wird oder nicht (empirisch dazu: Ziegler und Perleth 1997)
– Und Achtung: Schnell- und Selbsttests, z.B. aus dem Internet, sind nicht seriös!

Welcher Intelligenztest für welches Kind in Frage kommt, hängt in erster Linie von dessen Alter ab. Valide Intelligenztests mit Angabe eines Gesamt-IQ kommen dabei vor allem für die ab Sechsjährigen in Frage. Mit jüngeren Kindern wird meist eher ein „Entwicklungstest“ durchgeführt, der angibt, wie hoch zu einem gegebenen Zeitpunkt ein entsprechender Entwicklungsvorsprung gegenüber den Gleichaltrigen ist. Bei sehr deutlichen Entwicklungsvorsprüngen können auch solche Tests schon Indikatoren für eine vorliegende Hochbegabung sein.

Der wichtigste Entwicklungstest für die unter 6jährigen ist der K-ABC; die gebräuchlichsten Hochbegabungstests sind der HAWIK und der AID2. Aber auch eine Vielzahl anderer Verfahren sind auf dem Markt und können je nach Einzelfall sinnvoll sein, z.B. der Culture Free Test (CFT) bei Migrantenkindern mit sprachlichen Einschränkungen. Um ein valides Ergebnis zu erhalten, sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Testung nach der neuesten Normierung des jeweiligen Tests erfolgt.

Ulrike Wolf, DGHK-BB

Zum Weiterlesen empfehlen wir:
http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenztest sowie
http://www.eigen-sinn.homepage.t-online.de/wie-testen.htm oder
http://www.edison-ev.de/test_verfahren.php

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